Ernüchterndes Fazit
Die Reform der Grundsteuer hat das Wohnen in Deutschland verteuert
Sie gehört zu den ältesten direkten Steuern und zählt zu den wichtigsten Einnahmequellen der deutschen Kommunen: Die Grundsteuer. Im Jahr 2024 konnten dadurch rund 16 Milliarden Euro erzielt werden. In Deutschland muss der Eigentümer diese auf das Eigentum, aber auch auf Erbbaurechte an inländischen Grundstücken und deren Bebauung zahlen. Aber auch auf Mieter kann sie umgelegt werden.
Die zum 1. Januar 2025 in Kraft getretene Reform der Grundsteuer sollte vieles vereinfachen, gerechter machen und auch aufkommensneutral sein, doch genau das ist wohl nicht eingetroffen. Das behauptet jedenfalls Haus & Grund Deutschland, die bei der IW Consult GmbH, einem Dienstleister für Auftragsforschung und Beratung, eine Studie in Auftrag gegeben haben. Der Auftrag: Eine Analyse der hundert größten Städte. Das Ergebnis: Die neue Grundsteuer hat das Wohnen für die meisten deutschen Bürgerinnen und Bürger verteuert.
Nicht einfacher und nicht gerechter
„Das Fazit zur Reform der Grundsteuer ist ernüchternd: Viele Städte und Gemeinden haben die Reform für satte Steuererhöhungen genutzt. Es wurde nicht einfacher, es wurde nicht gerechter und für viele Bürgerinnen und Bürger wurde es teurer“, kommentierte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke die Ergebnisse.
Viele Eigentümer zahlen für vergleichbare Immobilien weiterhin sehr unterschiedliche Grundsteuerbeträge. Das ist abhängig davon, wo das Objekt in Deutschland steuerpflichtig ist. Dabei gibt es teilweise gravierend Unterschiede, so wie es auch schon für die alte Grundsteuer galt. In manchen Bereichen hat sich die Spannweite der Jahresbeträge nach der Reform sogar noch vergrößert. Der Grund: Die Bundesländer nutzen nun acht unterschiedliche Modelle zur Berechnung der Grundsteuer. Zudem gibt es individuelle Hebesätze der Städte.
Zwickau ist die günstigste deutsche Großstadt
Das Ranking 2025: Zwickau (Sachsen) liegt mit 258 Euro pro Jahr an der Spitze der günstigsten deutschen Großstädte. Am Ende des Feldes stehen Tübingen, Mannheim, Heidelberg, Stuttgart und Karlsruhe (alle in Baden-Württemberg). In Tübingen werden 1.377 Euro pro Jahr an Grundsteuer fällig – das sind rund 434 Prozent mehr als in Zwickau für eine vergleichbar große Immobilie.
Und es wurden weitere große Länderunterschiede ermittelt: In den betrachteten Städten Sachsen-Anhalts zahlen Eigentümer eines Einfamilienhauses durchschnittlich nur 305 Euro pro Jahr. In Berlin hingegen sind es durchschnittlich 850 Euro – das ist der höchste Durchschnittswert im Bundesländervergleich. Warnecke resümiert: „Die Reform sollte Gleichbehandlung gewährleisten. Tatsächlich bestimmen die Modellwahl der Länder und die Hebesatzpolitik der Städte die Höhe der Grundsteuer stärker denn je. Für Eigentümer entsteht dadurch keine verlässliche, gerechte Belastung, sondern ein Flickenteppich aus teils massiv voneinander abweichenden Jahresbeträgen.“
BU: Auch nach der Grundsteuerreform zahlt man in Berlin weiterhin durchschnittlich den höchsten Betrag im Bundesland-Vergleich auf Basis der 100 größten Städte Deutschlands.
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