Südklint

Südklint
Der Südklint lag im Nordwesten unserer Stadt. Dort, wo jetzt eine vielspurige Straße den Autoverkehr mehr als großzügig fließen lässt. Er befand sich in etwa als kleines Teilstück der heutigen Güldenstraße Richtung Radeklint, nur anders geschnitten.
Es ist schwierig, sich heute den genauen Verlauf vorzustellen. Daher zeige ich eine Grafik von der kundigen Manuela Wenderoth, die die alte und neue Situation selbsterklärend übereinanderlegt. Nach Kriegsende war hier so viel Bausubstanz zerbombt, dass eine viel breitere Straßenführung und eine komplette Neubebauung möglich beziehungsweise nötig wurden. Leider in Planung der neuen autogerechten Stadt und nicht im Rückgriff auf die alte Ausgestaltung.
Es gibt weitere Klinte wie den Bäckerklint und den Radeklint. Klinte sind kleine Erhebungen gegenüber der Umgebung und waren, wie das Braunschweiger Wort Klinterklater aussagt, verächtliche Bezeichnungen für die dort wohnende ärmere Bevölkerung Braunschweigs. 1515 taucht der Name Sueklinte erstmals auf, nach Ansicht des Historikers Heinrich Meier hieß er ursprünglich Sau-Klint. Ob hier Schweine gehalten wurden und es so zum Namen kam, wie beim benachbarten Bäckerklint durch die Handwerkszunft, ist unbekannt.
Erst seit 1798 lautet der Name Südklint. Er wurde aufgrund der kompletten Zerstörung im Krieg und der Neugestaltung 1966 aufgehoben.

1910 – Südklint in Richtung Radeklint, rechts der Bäckerklint.
2018 – nun Güldenstraße, rechts wiederum der Bäckerklint.

Das Haus zum Braunen Hirsch
„Überlebt“ hat das Portal des prächtigen Bürgerhauses Südklint 15, ein im Stil der Renaissance erbautes Haus, welches der Ratsherr Heinrich Hartwich 1591 für sich errichten ließ. Es wurde wegen seines Wappenschmucks auch Haus zum Braunen Hirsch genannt. Seit 1975 ziert das Portal das Haus kirchlicher Dienste in Riddagshausen. Im Haus Südklint 21 (auf der alten Ansicht Haus rechts) wohnte um 1899 ein Herr Unger, seines Zeichens Kürschner. Der Kürschner arbeitet Tierfelle zu prächtigen und warmen Mänteln für die kalte Jahreszeit um. Sie erinnern sich an Omas alten Persianer und wie stolz sie damit zu festlichen Anlässen ausgegangen ist. Pelzmäntel waren früher ein Statussymbol und konnten locker 20.000 Euro kosten. Natürlich kein Persianermantel für die breite Masse, aus dem Fell des Karakulschafs hergestellt, dann eher einer aus Nerzfellen für die Upper Class.
Pelzmäntel und Kunstfelle
Auch Männer trugen in den 1970er-Jahren Pelzmäntel mit der kleinen schwarzen Handtasche mit Handschlaufe, denken Sie an den bekannten Vier-Oktaven-Sänger Ivan Rebroff und ähnliche Akteure. Ich fand das immer etwas komisch damals und das wäre es heute wohl auch noch. Die Zeit des Kürschners ist derzeit – für die einen leider, für die anderen zum Glück – so gut wie abgelaufen. Pelzmäntel sind bei uns, anders als beispielsweise im fernen Russland, verpönt. Heute dominieren Kunstfelle, die nicht so schön aussehen, aber viel besser Feuer fangen. Die alten Mäntel der Middle Class, sofern noch vorhanden, dienen nun mehr als Mottenzuchtgebiete, denn dass man sie gegen Bares los wird. Alles hat eben seine Zeit. Der Spruch: „Jemandem das Fell über die Ohren ziehen“ kommt aus diesem Gewerbe.

Dieser Artikel ist ein Teil der Magazinreihe „Damals & heute“, herausgegeben von FUNKE Medien Niedersachsen GmbH. Text von Dirk Teckentrup – Ihr Immobilienmakler Braunschweig.

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