Schuhstraße Braunschweig

Schuhstraße

Die Schuhstraße liegt im Kernbereich der Braunschweiger Innenstadt und führt vom Kohlmarkt zum Sack. Schon 1282 als platea sutorum (von sutorius – Schuster) erwähnt, wurde die Straße ab Anfang des 15. Jahrhunderts Schostrate genannt.
1438 sind in einem Verzeichnis hier sieben Schuhmacher aufgeführt. Das Schuhmacherhandwerk ist ein uraltes. Wie der tiefgefrorene Steinzeitmann Ötzi aus dem österreichischen Ötztal beweist, lief man seinerzeit nicht mit zwei Zentimeter Hornhaut an den Füßen durch den Schnee, sondern trug vor über 5000 Jahren mit Heu gefütterte Treter mit einer dünnen Sohle aus Bärenleder, die dem Gebirge besser angepasst waren als moderne Treckingschuhe. Über tausende Jahre gab es Handwerker, die individuell für die Füße ihrer Kunden schafften. Alles vorbei, der Beruf des Schuhmachers ist fast ausgestorben. In- und ausländische Fabriken übernahmen, so auch in Braunschweig.

In der Schuhstraße 24 befand sich bis vor einigen Jahren noch der Laden eines Fabrikschuhhändlers – Salamander – heute verkauft hier Walbusch Bekleidung. Wem von den etwas Älteren ist diese Marke nicht noch geläufig? Das erste Geschäft eröffnete in der Berliner Friedrichstraße 1903 und bot ausschließlich Herrenschuhe an. Der Name Salamander wurde im Hinblick auf eine internationale Ausrichtung des Geschäfts gewählt, da hier keine Übersetzung nötig ist. Salamander stieg zu einem Großunternehmen auf. 1913 stellten über 3.000 Mitarbeiter über zwei Millionen Paar Schuhe her. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden ab 1949 auch Kinderschuhe produziert. 1967 erschufen fast 18.000 Mitarbeiter über 13 Millionen Paar Schuhe. Dann kam aufgrund der billigen asiatischen Konkurrenz der Abstieg. Nach der Insolvenz 2004 ist Schuh-Salamander heute eine Tochtergesellschaft der Ara AG und die Schuhe werden größtenteils im Ausland gefertigt.

Nach meinen Erfahrungen hat die Qualität der Schuhe in den letzten 40 Jahren sehr abgenommen. Der Werbeträger für Kinder war Lurchi, der Salamander. Er stand bei ihnen hoch im Kurs. Es gab ab 1937 die ersten kleinen comic-artigen Heftchen mit Abenteuergeschichten von Lurchi und seinen Freunden, die diese mit ihren Salamanderschuhen meistern. Diese sollten zuerst die Eltern begleitenden Kinder beim Einkauf ruhig stellen, daneben positivierten sie die Marke für die kommende Generation. Die Auflage per Abenteuer betrug in der Nachkriegszeit bis zu drei Millionen Exemplare – zum Vergleich die höchste Auflage des Micky Maus Comic belief sich 1991 auf eine Million. Auch Sammelbände der Abenteuer gibt es – so heißt es heute noch am Ende jeder Geschichte: „und lange schallt es noch – Salamander lebe hoch“, jedenfalls bei den Comics.

 

1910 – Harmonisch gewachsene Straßenführung.
2016 – Die Moderne hielt Einzug, New York lässt grüßen.

Auf unserer Ansicht rechter Hand befand sich 1910 das Kaufhaus Adolf Frank, welches sich in der Schuhstraße und um die Ecke bis in die Stephanstraße erstreckte. Es war seit 1889 das erste Kaufhaus der Stadt und wurde aufgrund seines Angebotes schnell das größte im Braunschweiger Land, zu Hochzeiten arbeiteten dort 125 Beschäftigte. 1938 arisierten die Nationalsozialisten das Kaufhaus, da die Familie jüdische Wurzeln hatte, es musste an einen Nichtjuden verkauft werden, die Familie Frank emigrierte 1938 nach dem Verkauf in die USA. Der Bombenkrieg gegen Deutschland zerstörte 1944 das Gebäude weitgehend. Nach dem Wiederaufbau nutzte es die neue Eigentümerfamilie bis 1960. Dann hielt das Kaufhaus Bilka bis 1975 Einzug, eine Tochter des Hertie-Konzerns. Als nächstes ab 1975 das Hertie Einrichtungshaus, dieses bis 1987. Von 1987 bis 2006 das Textilunternehmen Kimmich.

2007 erwarb der Braunschweiger Unternehmer Friedrich Knapp das Gebäude für sein Bekleidungsunternehmen New Yorker. Eine Firma, welche weltweit mehr als 1.150 Filialen in 46 Ländern unterhält und über 19.000 Mitarbeiter hat, mit Stammsitz in Braunschweig. Das Manager Magazin nannte New Yorker im August 2021 den profitabelsten deutschen Weltkonzern. Und so schließt sich der Kreis: Adolf Frank (1863-1924), ein risikofreudiger Unternehmer, der mit Erfolg belohnt wurde und heute Friedrich Knapp, ein Unternehmer, der weltweiten Erfolg erzielt. Das ist wohltuend, da er auch Tacheles redet und Missstände benennt, die den Wirtschaftsstandort Deutschland schädigen und damit den Wohlstand unserer Gesellschaft zerstören können. Die Fassade des Gebäudes ist nach Umbau, wie ich finde, eine kleine Ausgabe des mit Mediaboards vollgepflasterten One Times Square Building in New York, mal ein ungewohnter, aber besonderer Hingucker.

Dieser Artikel ist ein Teil der Magazinreihe „Damals & heute“, herausgegeben von FUNKE Medien Niedersachsen GmbH. Text von Dirk Teckentrup – Ihr Immobilienmakler Braunschweig.

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