Gördelingerstraße

Gördelingerstraße

Die Gördelingerstraße beginnt an der Langen Straße und führt bis zum Altstadtmarkt. Am wahrscheinlichsten für die Namensgebung ist, dass hier eine Familie Goderingen ansässig war, die den Namen prägte. 1268 hatte die Straße den Namen Goderingerstrate. Hier standen bis zum 2. Weltkrieg imposante Bauten. So gut wie alle Bauwerke sind dem Bombenhagel zum Opfer gefallen, stark beschädigte Bauten wurden leider noch Jahre später abgerissen.

Im Hotel Schrader

Erwähnenswert ist das Haus Gördelingerstraße Nr. 7, da dieses Gebäude nach dem Krieg wiederaufgebaut wurde, die Fassade gestaltet im barocken Stil, ähnlich des Vorgängerbaus. Dort befand sich das Hotel Schrader. In diesem stiegen 1875 Richard Wagner und seine Frau Cosima ab, da sie eine „Tannhäuser“-Vorstellung in Braunschweig besuchten. In einem Gebäudeteil befindet sich heute die Möbelfirma Sander (gegründet 1857), die bei ihrem Angebot von Möbeln im gehobenen Segment besonderen Wert auf Beratung und Kundennähe legt.

Die Kinos Regina und Lupe

Im Gebäudeteil daneben war ab 1949 das Kino Regina, 1974 umbenannt in Die Lupe und seit 2003 residiert in diesen Räumen die Komödie am Altstadtmarkt. Ein privates Theater, welches es schafft, ohne staatliche Subventionen auszukommen und dabei ein ausgezeichnetes Programm bietet. Bodenständiges Volkstheater und natürlich Komödien gehören ebenso hierzu wie A-cappella-Aufführungen von den Classic Harmonists, einer Musikgruppe, die die beschwingten 20er Jahre mit Titeln wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ oder „Veronica, der Lenz ist da“ wieder aufleben lässt.

1900: Vom Altstadtmarkt erstreckt sich die Gördelingerstraße Richtung Lange Straße.
2016: Am Altstadtmarkt blickt man wieder auf eine ansprechende Architektur.

Braunschweigs älteste Passage: Der Handelsweg

In der Verbindung zwischen Gördelinger- und Breiter Straße liegt der Handelsweg, Braunschweigs älteste Passage. 1872 als Sedanbazar eröffnet, benannt nach der Schlacht von Sedan im Deutsch/Französischen Krieg 1870/71, bekam die Passage 1928 den Namen Handelsweg. Vielen Braunschweigern bekannt, war hier das 1936 eröffnete Eiscafe Tante Puttchen (weil die Besitzerin wie eine Putte ausgesehen haben soll). Im 2. Weltkrieg stark zerstört, wurde die Passage nach 1945 wieder aufgebaut, es waren dort bis Ende der 90er Jahre einige Antiquitätengeschäfte ansässig. Heute gibt es dort Kneipen, Restaurants und einen Comicladen. Im Eckgebäude Gördelingerstraße 46/Neue Straße wurde am 25. Mai 1906 Braunschweigs erstes Filmtheater, das Zentral-Theater, feierlich eröffnet. Rückblick: Am 1. November 1895 fand im Berliner Wintergarten eine Vorführung elektrisch bewegter Bilder statt. 15 Minuten dauerte die Vorführung und präsentierte unter anderem Abteilungen wie „Italienischer Bauerntanz“, „Acrobatisches Potpourri“ und „Das boxende Känguruh“. „Irritiert soll das Premierenpublikum auf das Löschen des Saallichtes reagiert haben“. Die einzelnen Szenen entpuppten sich dann aber als Attraktion, sodass das Publikum abschließend vor Begeisterung auf den Stühlen stand. Weniger der Inhalt als vielmehr die neue Erlebnisform selbst, die Kino-Erfahrung, wurde zur Attraktion. Allerdings dauerte es noch 11 Jahre, bis sich eine wahre Kinogründungswelle über Deutschland ergoss.
Wie wir beim Vergleich der Ansicht um 1900 und der von 2016 sehen, ist bei der „Traditionsinsel Altstadtmarkt“ (Häuser vorne links und rechts) das ursprüngliche Aussehen der Gebäude versucht worden anzugleichen. In die Gördelingerstraße hinein dominiert die 50er-Jahre-Schmalspurarchitektur.

Dieser Artikel ist ein Teil der Magazinreihe „Damals & heute“, herausgegeben von FUNKE Medien Niedersachsen GmbH. Text von Dirk Teckentrup – Ihr Immobilienmakler Braunschweig.

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