Alter Hauptbahnhof

Alter Hauptbahnhof
Der alte Hauptbahnhof von Braunschweig wurde vom Herzoglichen Hofbaurat und Architekten Carl Theodor Ottmer (1800-1843) in klassizistischem Stil geplant und nach seinem Tod von 1843 bis 45 gebaut.
Kopf- und Durchgangsbahnhöfe
Der Bahnhof war ein sogenannter Kopfbahnhof, das heißt, der Zug hielt in Front zum Bahnhofsgebäude und es wurde eine Lokomotive an die andere Seite des Zuges angekoppelt, damit er weiterfahren konnte. Im Gegensatz dazu gibt es den Durchgangsbahnhof, in dem der Zug neben dem Empfangsgebäude auf den Gleisen an den Bahnsteigen hält und dann seine Fahrt in der gleichen Richtung fortsetzen kann. Durch leistungsfähigere Lokomotiven nahm die wirtschaftliche Bedeutung der Kopfbahnhöfe im 19. Jahrhundert zugunsten der Durchgangsbahnhöfe ab. Gleichwohl gibt es in Deutschland auch heute noch 18 Kopfbahnhöfe, darunter Leipzig, Frankfurt und Stuttgart. Den meisten Braunschweigern ist unbekannt, dass der alte Braunschweiger Hauptbahnhof einen Vorgängerbau hatte, das Empfangsgebäude wurde 1838 im neugotischen Stil ebenfalls von Ottmer geplant und gebaut, es musste aufgrund des stark steigenden Verkehrsaufkommens bereits 1843 abgerissen und bis 1845 durch den Neubau ersetzt werden.

1900: Der Ottmerbau war ein sogenannter Kopfbahnhof.
2015: Heute ist das ehemalige Bahnhofsgebäude ein Teil der Braunschweigischen Landessparkasse.

Erste staatliche Eisenbahnstrecke in Deutschland
Am 01.12.1838 fand im Übrigen hier in Braunschweig mit der Einweihung der Eisenbahnstrecke von Braunschweig nach Wolfenbüttel die Eröffnung der ersten staatlichen Eisenbahnstrecke in Deutschland statt. Die Eisenbahn hat das Zeitalter der industriellen Revolution erst möglich gemacht, da so Waren und Menschen innerhalb kürzester Zeit an weit entfernte Orte kostengünstig transportiert werden konnten.
Ganz am Anfang stand die Dampfmaschine, die vom Engländer Thomas Newcomen im Jahr 1712 als industriell verwendbare Maschine konstruiert wurde, ihr Wirkungsgrad lag allerdings erst bei
0,5 Prozent. Durch Verbesserungen war es möglich, 1825 durch den Engländer George Stephenson die erste öffentliche Eisenbahnlinie der Welt zwischen Stockton und Darlington (im Nordosten Englands) zu eröffnen. In Deutschland fuhr mit der berühmten Lokomotive Adler am 07.12.1835 die erste kommerziell erfolgreiche deutsche Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth. Bahnhöfe sind Stätten der Begegnung, der passagierreichste deutsche Bahnhof heute ist der Hamburger mit täglich über 500.000 Reisenden bei über 1.500 Zugverbindungen. In der Welt ist es der japanische Bahnhof Shinjuku in Tokio mit täglich bis zu 4 Millionen Passagieren.
Der Bahnhof war auf einer Halbinsel und dem westlichen Umflutgraben errichtet
In Braunschweig, zurzeit unserer Postkartenansicht ging es beschaulicher zu. Der Bahnhof war auf einer Halbinsel zwischen Oker, Neustadtmühlengraben und dem westlichen Umflutgraben errichtet, deshalb ging man über eine Brücke auf das Hauptgebäude zu.
Zu sehen sind Reisende, Spaziergänger und die Pferdedroschken vor der Gleishalle zur Südseite, der Abfahrtseite. Gegenüber liegend war die Ankunftsseite. Im Kopfbau befanden sich Wartesäle und der Restaurationsbereich. Im 2. Weltkrieg wurden große Teile des Bahnhofs zerstört, dennoch wurde er bis 1960 weiter betrieben, dann der neue Durchgangshauptbahnhof zwischen Viewegsgarten und Bebelhof am heutigen Berliner Platz eröffnet. Pläne für einen Neubau an diesem Ort gab es seit den 1870er Jahren. Vom alten Bahnhof ist nur noch die schöne Fassade des Hauptgebäudes erhalten. Heute dient es als repräsentatives Direktionsgebäude der Braunschweigischen Landesparkasse.

Dieser Artikel ist ein Teil der Magazinreihe „Damals & heute“, herausgegeben von FUNKE Medien Niedersachsen GmbH. Text von Dirk Teckentrup – Ihr Immobilienmakler Braunschweig.

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