Hintern Brüdern

Hintern Brüdern
Hintern Brüdern ist eine Verbindungsstraße zwischen der Kannengießerstraße/Meinhardshof und der Gördelingerstraße im nordwestlichen Innenstadtbereich. Sie hat ihren Namen von den Brüdern (Mönchen) des seinerzeit hinter der Brüdernkirche gelegenen Franziska-
nerklosters. 1232 werden die Franziskaner als erstmalig ansässig in Braunschweig erwähnt, nachdem der Orden 1208 von Franziskus von Assisi (1181 - 1226) gestiftet und 1210 vom Papst Innozenz III bestätigt wurde. 1312 wird ein Haus to den brodheren word genannt, 1386 schließlich kommt im Schossregister (Steuerregister) die Bezeichnung de brodere (bei den Brüdern) für die Straße vor. Die Franziskaner gehörten neben den Dominikanern, den Karmeliten und den Augustiner-Eremiten zu den vier großen mittelalterlichen Bettelorden. Diese Ordensgemeinschaften durften nach ihren Regeln kein Eigentum besitzen und sind der Armut besonders verpflichtet. Sie sammeln Almosen, nehmen Schenkungen und arbeiten für ihren Lebensunterhalt. Dieses soll die Klarheit des Geistes schärfen und jegliche Abhängigkeit von weltlichen Gütern als falsch hervorheben. Bis zum Spätmittelalter durften die Orden aber doch Besitz erwerben. Wer weiß, vielleicht besuchte William von Baskerville das Braunschweiger Franziskaner-Kloster und beugte sich mit seinen „Augengläsern“ in der Bibliothek über die Stundenbücher. Der Name der Rose lässt grüßen!

Eine Idylle aus Fachwerk und Schuluniform um 1908.
2017 lassen sich die Straßenführung und der Turm der Petrikirche übertragen.

Hoffmann-von- Fallersleben-Schule
Auf unserer Karte von 1908 sehen wir den Kirchturm der Petrikirche, welcher nach dem Kriege eine vereinfachte Turmspitze erhielt, wie ansatzweise auf dem Foto von 2017 zu sehen ist. Die Straßenführung ist annähernd gleich geblieben. Auf der alten Ansicht befand sich rechter Hand die Ober-Realschule (Hoffmann-von-Fallersleben-Schule), davor ein Schüler in zeittypischer Schulkleidung. Beim Betrachten fühlt man sich unweigerlich an die Feuerzangenbowle mit Heinz Rühmann erinnert. Ober-Realschulen waren den Gymnasien gleichzusetzen, hatten eine neunjährige Ausbildung und mit dem Abschlusszeugnis konnte man ein Studium aufnehmen. Die Hoffmann von Fallersleben Schule wurde 1876 gegründet und ihr Namensgeber August Heinrich-Hoffmann-von-Fallersleben war im Braunschweiger Land (Fallersleben bei Wolfsburg) 1798 geboren und starb 1874 in Corvey – Höxter. Er war Hochschullehrer und Dichter und schrieb den Text für die deutsche Nationalhymne (1841 als Lied der Deutschen). Er lebte zu einer Zeit, in der es nicht um Nationalstaatliche Expansion für Deutschland ging, sondern darum überhaupt ein einiges Land zu werden, da sich Deutschland in vielen kleinen Ländern und Fürstentümern verlor. Vor diesem Hintergrund bekommt unsere Nationalhymne in der Entstehung eine ganz andere Bedeutung, als viele glauben. Seit 1922 ist das Lied der Deutschen auf Betreiben des SPD-Reichspräsidenten Ebert unsere nationale Hymne. Es besteht aus drei Strophen und seit 1991 gilt nur noch die dritte Strophe als Nationalhymne.

Braunschweiger Zeitung und Johann Heinrich Meyer Verlag
Mittig rechts sehen wir als Nachfolgebau der Stadtbücherei (die in den Schloss-Neubau umgezogen ist), ein kombiniertes Wohn- und Gewerbegebäude, in welchem seit Ende 2014 die Braunschweiger Zeitung und seit 2015 der Johann Heinrich Meyer Verlag (JHM-Verlag) untergebracht sind. Beide gehören zur Funke Mediengruppe, haben aber eine über 400 Jahre alte Braunschweiger Tradition. Anfang des 17. Jahrhunderts kam mit dem Aviso (übersetzt: Brief, Ankündigung, Nachricht), einem Vorläufer der Braunschweiger Zeitung, die erste periodisch (wöchentlich) erscheinende Zeitung Deutschlands heraus. Die Braunschweiger Zeitung ist heute die einzige täglich, außer sonntags, erscheinende Lokalzeitung Braunschweigs Seit 1603 gibt es den JHM-Verlag in Braunschweig.

Dieser Artikel ist ein Teil der Magazinreihe „Damals & heute“, herausgegeben von FUNKE Medien Niedersachsen GmbH. Text von Dirk Teckentrup – Ihr Immobilienmakler Braunschweig.

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