Flussbadeanstalt Gellershof

Flussbadeanstalt Gellershof

Die Flussbadeanstalt Gellershof lag seit 1820 im heutigen Bürgerpark an und in der Oker, etwa mittig zwischen der 2016 für 900.000 Euro erneuerten Hennebergbrücke und der Drachenbrücke, die den östlichen Teil des Bürgerparks mit dem westlichen verbinden. Der Zugang war von der Wolfenbütteler Straße. Etwa in Höhe der Leisewitzstrasse liegt Richtung Park die Badetwete (der Name ist Programm), dieser, seinerzeit unbefestigte Weg, führte zum Fluss. An der Badetwete lag, manch Braunschweiger weiß es noch, das meines Erachtens beste Chinarestaurant Braunschweigs, der China Garden. Leider sahen das immer weniger Gäste so wie ich und das Restaurant gibt es nun seit mehreren Jahren nicht mehr, dafür eine baufällige Ruine. Zurück zur Badeanstalt, bei Eröffnung durch die Stadt nannte sie sich Civilbadeanstalt für Männer, benannt nach ihrem Pächter Gellershoffsche Badeanstalt. In kalten Wintern konnten die Braunschweiger bei zugefrorenem Fluss Schlittschuhlaufen. Der Betrieb lief bis 1951, aufgrund von Flussverschmutzung soll es zur Einstellung gekommen sein. Heute erinnert an dieses Freizeitvergnügen nur noch ein Teil der Befestigung am Ufer, alles andere wurde renaturiert.

1906: Im heutigen Bürgerpark lockte die Flussbadeanstalt mit Badevergnügen.
2016: Das Schwimmen in der Oker, dem 128,3 km langen linken Nebenfluss der Aller, ist heute verboten.

Bade- und Schwimmkultur seit der Antike

Seit der Antike gab es eine regelrechte Bade- und Schwimmkultur, deren Höhepunkt durch das römische Weltreich kultiviert wurde. Bis ins Mittelalter ging diese Kultur in Europa verloren. Erst mit der Zeit der Aufklärung, im Laufe des 18. Jahrhunderts gab es ein Umdenken. Zu dieser Zeit entstanden die ersten englischen Seebäder und kontinentalen Kurorte. Im Zuge dieses Sinneswandels waren auch seit Anfang des 19. Jahrhunderts Badeanstalten für alle Schichten der Gesellschaft gefragt. In den expandierenden Städten gab es meist keine natürlichen Seen in zentraler Lage, die sich zum Baden oder Schwimmen eigneten. Was lag daher näher, als die natürlichen Ressourcen der Flüsse zu nutzen.

Badeschiffe und Flussschwimmbäder

In großen Flüssen schwammen auch Badeschiffe, ein schwimmendes Bassin innerhalb des Flusses, welches gegen den Fluss durch Holzkonstruktionen abgegrenzt war. Solche Badeschiffe gab es beispielsweise in Dresden an der Elbe, in Wien an der Donau oder in Hamburg an der Binnenalster. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden die Flussschwimmbäder auch für Frauen geöffnet und es wurden Abtrennungen für das nach Geschlechtern getrennte Baden und Schwimmen geschaffen. Allein in Berlin soll es um 1890 rund 15 private Bäder in der Spree gegeben haben.

Die älteren Braunschweiger können sicher noch von einem Besuch der „Gellerschen“ berichten, mein Schwiegervater (Jahrgang 1942) jedenfalls spricht begeistert von den Schwimmerlebnissen in der Oker. Er wohnte im Stadtteil Viewegsgarten und von dort war es für ihn nur ein Katzensprung. Zurück in unsere Tage: Heute ist die Oker, die in den Höhenlagen des Harzes entspringt und die Innenstadt wie ein Ring umschließt, hier wieder ein sauberer Fluss. Bei einer Floßtour vor zwei Jahren nahm der Flößer ein Glas, füllte es mit Okerwasser und trank es (für alle sichtbar war das Wasser im Fluss grün-schmutzig – im Glas hell, klar und durchsichtig). Es ist ihm anscheinend bekommen, jedenfalls habe ich nichts Gegenteiliges gehört. Heute ist das Schwimmen in der Oker verboten, weil die Menschen als zu „belastet“ gelten, durch Sonnencreme, Badeöl und Kosmetika – so ändern sich die Zeiten.

Dieser Artikel ist ein Teil der Magazinreihe „Damals & heute“, herausgegeben von FUNKE Medien Niedersachsen GmbH. Text von Dirk Teckentrup – Ihr Immobilienmakler Braunschweig.

Schadensmeldung

Haben Sie Schäden in Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus bemerkt? Nutzen Sie gerne unser Formular, um uns darüber zu informieren, oder kontaktieren Sie uns während der Öffnungszeiten telefonisch.