Historische Berichte aus Braunschweig

Die Braunschweiger Geschichte ist weit zurückreichend und spannend. Der Braunschweiger Herzog Heinrich, genannt der Löwe, war im 12. Jahrhundert eine Machtperson, die mit dem Kaiser wetteiferte.  Die Mitgliedschaft Braunschweigs im Kaufmannsbund der Hanse tat ein übriges das Ansehen und den Einfluss der Stadt zu unterstützen.  Von besonderem Interesse sind für mich allerdings die letzten 100 bis 150 Jahre.

In dieser Zeit expandierte die Stadt sehr und das Erscheinungsbild änderte sich gravierend. Was damals war ist heute nur noch in Teilen sichtbar. Gerade der II. Weltkrieg 1939 bis 1945 hat aufgrund der Bombenabwürfe der Alliierten starke Spuren, bis hin zur Vernichtung, an der Bausustanz hinterlassen. Aber auch bauplanerische Entscheidungen z.B. aufgrund des stark steigenden Individualverkahrs haben die Ansichten verändert.

Diese Veränderungen mache ich mit einer Gegenüberstellung der einstigen Ansicht mit der gleichen Perspektive der heutigen Ansicht deutlich. Ansichtskarten gibt es seit ca. 1885, was liegt also näher sich hier sein Anschauungsmaterial zu holen.

Sollten Sie über seltene Braunschweiger Ansichtskarten um 1900 verfügen, würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen!

Braunschweig – Veränderung durch Krieg und Zeit

Postkartenansichten von Braunschweig vor über 100 Jahren im Vergleich zu heute

Dezember 2016

Die Mühlenpfordtstraße ist eine Verbindung zwischen Rebenring und Wendentor. Bis 1946 gehörte dieses Teilstück zur Hamburger Straße. Der Namensgeber ist der Architekt und Universitätsprofessor Carl Mühlenpfordt (geboren am 12.02.1878 in Blankenburg). Er studierte an der TU-Braunschweig Architektur und war 1896 Mitglied der Braunschweiger Burschenschaft Alemania.

 

1813 mit der Völkerschlacht von Leipzig endet im engen Sinn die französisch-napoleonische Vorherrschaft in den deutschen Staaten. Deutschland war wie zuvor in viele kleine und größere Territorien zersplittert. Nun entwickelten sich Deutsch-Nationale Einstellungen und Bestrebungen. Triebfeder hierbei waren die sich bildenden Burschenschaften (im damaligen Sprachgebrauch war der Bursche ein Student), die bei der weiteren Entwicklung Deutschlands zu einem einheitlichen Nationalstaat eine wesentliche Rolle spielten. 1848 bei dem dann leider missglückten Versuch der deutschen Einigung in der Frankfurter Paulskirche standen diese Studentenverbindungen in vorderster Front. Aus dieser Tradition heraus waren die Burschenschaften national-konservativ im positiven Sinne ohne auch nur irgendetwas mit den späteren Nationalsozialisten des dritten Reichs zu tun zu haben.

 

Carl Mühlenpfordt war in Holzminden, Kassel, Lübeck, Berlin und Braunschweig tätig. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die Bestandsaufnahme und Untersuchung von historischen Bauten. In Braunschweig lehrte er von 1914 bis 1933 Architektur und wurde dann als Nationalkonservativer von den Nationalsozialisten entlassen. Er starb 1944 in Lübeck; wo es aufgrund seiner herausragenden Arbeit auch eine Carl-Mühlenpfordt-Straße gibt.

Anfang des 19. Jhdts. klagten viele Braunschweiger über die Rauchbelästigung von Gewerbebetrieben, daher wurden etliche Betriebe im Laufe der Zeit, auch wegen der Brandgefahr, vor die Tore der Stadt verlegt oder dort neu angesiedelt. Dieses traf auch auf die heutige Mühlenpfordtstraße zu, die zur der Zeit außerhalb der Stadt (vor dem Wendentor) lag. In der Mitte des 19. Jhdts. befanden sich in dem Bereich unter anderen 2 Zichorien- und eine Wachstuchfabrik. Wachstücher stellt man aus Baumwolle, Flachs oder Jute her und überzieht sie mit Firnis oder Ölfarbe, dadurch werden sie wasserdicht. Sie wurden u.a. zum Verpacken von Gütern in der Schifffahrt benötigt. In den Zichorienfabriken wurde die Gemeine Wegwarte (lat.: cichorium intybus)verarbeitet. 1766 verbot König Friedrich II. von Preußen die Einfuhr von teurem Bohnenkaffee um die „Außenhandelsbilanz“ Preußens zu verbessern. Daraufhin erfand der Braunschweiger Gastwirt Christian Gottlieb Förster einen Ersatzkaffee aus der Wurzel der Gemeinen Wegwarte (Zichorien). Braunschweig entwickelte sich zu einem Zentrum dieses Ersatzkaffees und hatte gegen 1795 ca. 22 Betriebe. Der Herstellungsprozess ist einfach. Zuerst wird in Trocknungsöfen der Wassergehalt der Wurzeln reduziert und danach werden sie geröstet. Nun werden die Wurzeln zermahlen und z.T. Zuckerrüben, Speisefette, Kochsalz und Alkalicarbonate hinzu gefügt. Der fertige Ersatzkaffee hat eine intensive karamellbraune Farbe und einen an echten Kaffee erinnernden Geschmack, wie wir ihn heute noch beim „Caro-Kaffee“ finden.

 

Vergleicht man die Ansicht von 1907 mit der heutigen, sehen wir heute rechts das Informationszentrum der TU. Der rechte Brückenpfeiler der Wendentorbrücke ist nicht mehr, dafür aber der linke. Ansonsten ist hier ausschließlich eine Nachkriegsarchitektur vorhanden, was wohl Carl Mühlenpfordt, von dem das unter Denkmalschutz stehende elektrotechnische Institut der TH sowie das AOK-Gebäude stammt, dazu gesagt hätte?

Sollten Sie, lieber Leser, noch über seltene Ansichtskarten aus der Zeit um 1900 verfügen, würde ich mich über Ihre Kontaktaufnahme sehr freuen.

Ihr Dirk Teckentrup